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Interview
mit Richard E. Geitner, Vorsitzender der Fein-Geschäftsführung
Fein-Geschäftsführer
Richard E. Geitner bekennt sich zum Standort Deutschland.
140
Jahre Fein - was bedeutet für Sie Tradition?
Geitner: Hinsichtlich der Strukturen, Prozesse und der Entwicklung
des internationalen Geschäftes ist Fein ein modernes Unternehmen.
Hinsichtlich unserer Werte und dem beständigen Ringen um die beste
Lösung sind wir stark unserer Tradition verpflichtet.
Was
macht die Marke Fein unverwechselbar?
Geitner: Wilhelm Emil Fein gründete Fein 1867 als
„Werkstatt für elektrische und physikalische Apparate“.
Bereits 1895 hat Fein die elektrische Bohrmaschine und damit das erste
Elektrowerkzeug erfunden. Fein hat seit dieser Zeit die Entwicklung des
Elektrowerkzeuges nachhaltig geprägt. Die über Generationen
entwickelten und gefestigten Talente lassen sich zu folgenden Kernwerten
verdichten: unverwüstlich, präzise, anwendernah, fachkundig,
handhabbar, Erfinder, schwäbisch, Nischenspezialist und Elektrowerkzeugmanufaktur.
Diese Werte prägen das Denken und Handeln unserer Mitarbeiter und
spiegeln sich in unseren Produkten und den gesamten Leistungen des Unternehmens
wider.
Welche
Produkte sind dies im Detail?
Geitner: Dabei handelt es sich beispielsweise um Ausbau- und
Renovierungssysteme, die auf von Fein erfundenen Oszilliermaschinen aufbauen.
Oder um anwendungsspezifische Pakete für die Edelstahlbearbeitung.
Weitere Beispiele sind der Sicherheitswinkelschleifer mit elektrischen
Bremssystemen und elektronischem Schalter oder spezifische Anwendungslösungen
für die industrielle Serienmontage, wie der zweistufige Akku-Abschaltschrauber
für präzise Verschraubungen in der Automobilendmontage.
Fein
produziert bereits seit 1949 in Schwäbisch Gmünd-Bargau. Wie
kam es dazu?
Geitner: Die C. & E. Fein GmbH wurde 1867, vor 140 Jahren,
in Karlsruhe gegründet. Bereits drei Jahre später wurde der
Firmensitz nach Stuttgart verlegt und dort bis zum zweiten Weltkrieg als
alleiniger Standort ausgebaut. Von den schweren Zerstörungen Stuttgarts
im Zweiten Weltkrieg waren auch Fein Gebäude betroffen. Deshalb war
das Unternehmen gezwungen, Ausweichproduktionsflächen zu suchen.
Für eine Übergangszeit wurden so auch Räumlichkeiten im
Raum Schwäbisch Gmünd zur Aufrechterhaltung der Produktion angemietet.
Als sich die C. & E. Fein GmbH entschloss, auch einen dauerhaften
Standort außerhalb von Stuttgart aufzubauen, fiel die Wahl auf Bargau.
1949 wurde dort der erste Fertigungsbereich in Betrieb genommen. Bargau
wuchs in den folgenden Jahren zum größten Fein-Standort mit
den Bereichen Montage, Motorenfertigung, Kunststofffertigung und Logistik
heran.
Welche
weiteren Fein-Standorte gab es oder gibt es in Deutschland? Wie haben
sich die Standorte entwickelt?
Geitner: 1961 wurde in Genkingen bei Reutlingen auf der Schwäbischen
Alb ein weiterer Fertigungsstandort gegründet. Zur Teile- und Elektronikfertigung
wurden später dort auch der Fein-Service und die Entwicklung angesiedelt.
Als
Fein 1870 nach Stuttgart zog, lag das Fein-Areal noch weit vom Zentrum
der Landeshauptstadt entfernt. Stuttgart wuchs in den folgenden Jahrzehnten
enorm. Irgendwann war das Zentrum bis zum ursprünglichen Fein-Areal
herangewandert. Wir lagen damit mitten in einer dicht bebauten Innenstadt
mit allen logistischen Hindernissen und Wachstumsnachteilen für ein
Industrieunternehmen. Vor rund zehn Jahren wurden aus diesen Gründen
auch die noch in Stuttgart verbliebenen Produktions- und Entwicklungsbereiche
verlagert. Die Landeshauptstadt wurde für Fein zum reinen Vertriebs-
und Verwaltungsstandort.
Im
Jahr 2004 beschlossen wir schließlich, die drei deutschen Standorte
Stuttgart, Genkingen und Bargau zu einem zentralen Fein-Unternehmenssitz
zusammen zu führen, um unsere mittel- und langfristige Strategie
optimal verfolgenzukönnen. Die Entscheidung für Bargau erfolgte
im Zuge eines sehr detaillierten und objektiven Standortauswahl- und Vergleichsprozesses.
Die
neue Fein Unternehmenszentrale in Schwäbisch Gmünd-Bargau wurde
im Juli 2007 fertiggestellt. Jetzt sind in Bargau alle Unternehmensfunktionen
gebündelt. Können Sie das dahinter stehende Standortkonzept
näher beschreiben?
Geitner: Das Standortkonzept umfasst neben der Bündelung
aller Unternehmensbereiche in Bargau noch weitere, zukunftsweisende Maßnahmen:
• Die Fokussierung auf die Fein-Kernkompetenzen Vertrieb, Entwicklung,
Motorenfertigung und Montage.
• Die Auslagerung der Fertigwarenlogistik an einen Dienstleister.
• Die Erweiterung der Montagefläche um 50 Prozent.
• Die vollständige Neugestaltung der Montage.
• Den Bau eines neuen Entwicklungs-, Vertriebs- und Verwaltungsgebäudes
mit rund 7700 Quadratmetern Fläche und großzügigen Demo-
und Schulungsbereichen. Mit dem Bezug der neuen Fein-Zentrale schließen
wir jetzt die Umsetzung unseres Standortkonzepts ab.
Welche
Vorteile ergeben sich für Fein durch die Konzentration auf einen
Standort in Schwäbisch Gmünd-Bargau?
Geitner: Mit der Zusammenführung aller Standorte rücken
die Funktionen Vertrieb, Produktmanagement, Entwicklung und die Montage
im Fein Kompetenzzentrum für Elektrowerkzeuge eng zusammen. Das verkürzt
Entscheidungswege und beschleunigt unsere Geschäftsprozesse. Wir
werden noch schneller auf neue Anforderungen der Kunden und Märkte
reagieren können.
Können
Sie die Investitionen am Standort Bargau beziffern?
Geitner: Die Investitionen allein in den Bau des neuen Kompetenzzentrums
liegen bei rund 11 Millionen Euro. Zusätzlich setzte Fein in den
vergangenen Jahren erhebliche Mittel für die Erweiterung der Montagefläche,
für den Umbau des Produktionslagers und für die umfangreiche
Weiterentwicklung der bestehenden Produktions- und Logistikstrukturen
ein.
Wie
viele Mitarbeiter sind derzeit bei Fein beschäftigt?
Geitner: Die Fein-Gruppe mit allen Tochtergesellschaften beschäftigt
heute 840 Mitarbeiter. Rund 570 Menschen arbeiten aktuell bei Fein in
Bargau.
Für
viele Fein-Mitarbeiter stellt der Umzug nach Bargau eine erhebliche Änderung
ihrer Lebensumstände dar. Wie wurden sie auf die anstehenden Veränderungen
vorbereitet?
Geitner: Alle Fein-Mitarbeiter wurden bereits vor über drei
Jahren von den geplanten Maßnahmen detailliert informiert. So konnten
sich alle Beschäftigten der Standorte Stuttgart und Genkingen rechtzeitig
auf die Veränderungen einstellen.
Aufgrund
der Entfernung, insbesondere aus Genkingen, konnten sich nicht alle Mitarbeiter,
die in Bargau einen Arbeitsplatz angeboten bekamen, dazu entschließen,
den Weg mit uns zu gehen. So gab es in einigen Bereichen in den letzten
drei Jahren einen für Fein ungewöhnlichen Personalwechsel. Erfreulich
ist jedoch, dass es uns gelungen ist, sehr qualifizierte Mitarbeiter für
Bargau zu gewinnen. Besonders freut uns, wie aktiv die Integration neuer
Kolleginnen und Kollegen durch unsere Mitarbeiter unterstützt wurde.
Wie
sieht die Zukunft von Fein aus?
Geitner:
Mit der Entscheidung und der Umsetzung des Standortkonzeptes bekennt sich
Fein nachhaltig zum Standort Deutschland. Fein ist auch im 141. Jahr seines
Bestehens eine reine Familiengesellschaft. Als wirtschaftlich sehr gesundes
Unternehmen kann Fein, wie die Maßnahmen der letzten Jahre zeigen,
seine weitere Entwicklung aktiv gestalten. Die wichtigsten Zukunftsthemen
für Fein sind:
•
Innerhalb der drei Fein Marktsegmente Metall, Ausbau und Automobil werden
wir unser Profil im Markt weiter schärfen und unser Sortiment konsequent
ausbauen.
• Wir werden unsere Innovationskraft kontinuierlich stärken
und uns noch intensiver mit spezifischen Anwendungslösungen für
unsere Kunden auseinandersetzen.
•
Den Internationalisierungsprozess führen wir gezielt fort.
Fein
- der Erfinder des Elektrowerkzeugs wird 140
Fein
- wer hat's erfunden?
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